Aufgrund der Corona Situation wurde vereinbart, in der Dezember Stadtratssitzung keine Haushaltsreden zu halten. Diese werden lediglich schriftlich zu Protokoll und an die Presse gegeben.
Dieses Bild entstand vor der Stadtratssitzung am 16.12.2020
Erklärung zu den Beratungen für den HH 2021 sowie den Finanzplan 2020-2024
Die Haushaltsverhandlungen und die
Finanzplanung bis 2024 sind völlig unspektakulär und unkritisch über die Bühne
gegangen. Speziell möchten wir die Arbeit von Manfred Eding und seinem Team
hier lobend erwähnen. Herr Eding hat mit der Verwaltung einen ausgeglichenen
Haushalt entworfen und die Transparenz wurde durch erweitertes Controlling
verbessert. Besprochene Änderungen waren marginal, weshalb finanzpolitisch dem
Haushalt somit aus unserer Sicht zuzustimmen ist.
Unsere Anregungen und Kritik richten sich
vielmehr an die Politik. Wir erkennen in der Vielzahl von Diskussionen und
„Kleinklein-Kultur“ keinen politischen Plan und Anspruch, der die großen Fragen
der Zukunft beantwortet. Beispielhaft war unser Antrag zur Polizei, der völlig
an der Kernfrage zur „optimalen Innenstadtentwicklung“ vorbei, über eine
Argumentation mit „Sicherheitsaspekten“ wegdiskutiert wurde. Eine neue
Polizeiwache hätte auch in der neuen Innenstadt integriert werden können.
Die Großkoalitionäre haben durch Unterschrift
des „Positionspapieres“ offensichtlich ihre Aktivitäten für diese Wahlperiode
besiegelt und gleichzeitig beendet. Die Stimmung im Gremium erinnert an eine
gemütliche Stammtischrunde, man klopft sich auf die Schulter und ist glückselig
alle drei Bürgermeisterposten zu stellen. Das wars.
Der erste Bürgermeister Wörle arbeitet
fleißig und akribisch an der Umsetzung seiner Inhalte. Dabei agiert er als
Bindeglied zwischen Verwaltung und Politik derart geschickt, dass er selbst
keine eigene Meinung vertreten muss oder sich angreifbar macht. In
„Teflon-Manier“ eröffnete er die Haushaltsdiskussion mit der Aussage, es handle
sich um den HH-Entwurf der Verwaltung (…nicht seinen), die Politik könne dazu
jetzt Änderungs- bzw. Kürzungswünsche äußern, er sei nur der Vermittler.
Ehrlich wäre gewesen, dass dieser Haushalt maßgeblich den Vorstellungen des
Bürgermeisters entspricht; was im Übrigen seine Aufgabe ist.
Diese Politik passt aus unserer Sicht jedoch
sehr gut zum in die Jahre gekommenen Stadtrat der „Positionsrunde“.
Haushaltsanträge oder Anforderungen an den Haushalt wurden „bewusst keine
gestellt, aufgrund der Corona bedingt angespannten Finanzsituation.“ …außerdem
ist es so auch gemütlicher und sehr leicht gemacht.
Unser Anspruch an die politischen Gremien
Mit Blick auf die kommenden fünf Jahre
und unseren Anspruch „Politik zu wandeln“ und „Gersthofen zukunftsfähig zu
machen“ muss sich die Arbeitsweise signifikant verändern. Bei Inhalten oder
politischen Positionen der großen Themen herrscht doch in diesem Gremium
ohnehin ein Konsens der politischen Mitte. Parteipolitik und Fraktionsbindungen
outen sich regelmäßig als plump und durchschaubar.
Der Stadtrat muss den Anspruch
anbringen, die Kernfragestellungen politisch zu diskutieren, um der Verwaltung
einen Arbeitsauftrag zu erteilen. Top-Down Politik, statt Bottom UP. Es kann
doch nicht sein, dass wir anhand eines fertigen HH-Planes ernsthaft Einfluss
auf die Entwicklung unserer Stadt nehmen sollen. Momentan macht Bürgermeister
Wörle dies im Alleingang mit der Verwaltung um dann die Optionen mundgerecht
und strategisch positioniert in den Gremien durchzusetzen. Aus seiner Sicht
agiert er sehr geschickt und macht sozusagen „1-Mann-Politik“. Jedoch ist dadurch
der Rat aus unserer Sicht sinnlos und Verschwendung von Steuergeldern bzw. Zeit.
Nicht mehr als eine nette Diskussionsrunde mit Stammtischcharakter, bei dem
keine höheren Ansprüche oder alternative Denkansätze existieren. Nachdem „der
Mike das schon macht“ wird fröhlich abgenickt. Kritische Fragen sind allgemein
unerwünscht.
Welche Rolle hat der Stadtrat? Aktuell
sind es unendliche Microdiskussionen von Microthemen und persönliche Befindlichkeiten.
Man schafft es so, alles tot zu diskutieren, ohne einen Schritt weiter zu
kommen. Wir appellieren an die erfahrenen Stadträte, aber viel mehr an die Räte
mit jungfräulichem Blick auf die Sache: Wir müssen die Richtung der
Arbeitsweise um 180 Grad drehen. Der Stadtrat muss sich, gerne anhand des
Positionspapieres, jetzt weiter an die Arbeit machen und eine Agenda mit
Themenblöcken, Zeitschienen, Prioritäten und Finanzplänen erarbeiten und verabschieden,
um die Verwaltung dadurch handlungsfähig zu machen. Zentrale Fragestellungen
müssen die Arbeit der politischen Gremien ausmachen, denn daraus sollte in
Zukunft ein Finanzrahmen für die Verwaltung entstehen. Ein „Gersthofen Plan
2025“. Für eine übersichtliche und projektorientierte Arbeit des Stadtrates
trägt dann der Bürgermeister die Verantwortung, denn er muss die Themen hauptverantwortlich
einspielen – nichtmehr selbst spielen.
Der Stadtrat hat nach unserer
Auffassung die Aufgabe im Sinne der Bürgervertretung aktiv zu handeln. Natürlich
ist es gemütlicher, Bürgermeister Wörle kümmert sich allein mit der Verwaltung um
die zentralen Fragen und der Stadtrat entscheidet dann noch über die Farbe der
Straßenbeleuchtung oder die Rasensorte in der Innenstadt. Aus unserer Sicht
wäre das falsch. Die Mehrheitsfraktionen (Unterzeichner des Positionspapieres)
müssen sich ihrer neuen Gestalter Rolle endlich bewusst werden und
Verantwortung übernehmen; nicht nur Ämter, Titel und Bezüge.
Wir stimmen dem Haushalt im Zeichen
eines Vertrauensvorschusses zu, dass die kommenden Haushaltsgestaltungen von
der Politik ausgehen, um so der Steuerungsaufgabe des Stadtrates nachzukommen.
gez. Max Lenz